FAIR FASHION Nachhaltigkeit

1 JAHR FAIR FASHION – MEIN FAZIT

In der ersten Januar Woche 2019 habe ich mir vorgenommen, mein Leben 2020 noch nachhaltiger zu gestalten und bei Kleidung auf Nachhaltigkeit zu achten. Das bedeutet für mich Produkte aus einer faire Produktion oder 2nd Hand zu kaufen.

Zu Beginn wusste ich nicht, ob ich es ein Jahr lang schaffen würde. Woher bezieht man nachhaltige Kleidung und gibt es genug „modische“ Auswahl? Nachhaltigkeit hin oder her, ansehen sollte man es mir nicht. Ein „Öko“ zu sein liegt heute voll im Trend, aber wie einer aussehen möchte ich nicht.  

Die ersten Monate war es eine Herausforderung, da ich mein gewohntes Shoppingverhalten völlig verändern musste. Ich erinnere mich, dass das erste was ich „brauchte“ eine weiße Bluse für ein Seminar war. In die Stadt zu gehen und die gewohnten Läden zu durchforsten war keine Option. Bei uns gibt es nicht ein einziges Geschäft, das nur nachhaltige Kleidung verkauft. Also ab zu Google: „Bluse Damen nachhaltig“ – „Bluse Damen Bio-Baumwolle“ – „Bluse Damen Bio-Baumwolle in Deutschland hergestellt“. Es dauerte mehrere Tage, bis ich einen Online Shop fand, bei dem ich mir sicher war, meine Bluse nachhaltig einkaufen zu können.

Doch irgendwann hatte ich einen Überblick wo ich was bekam und das Shopping fing wieder an Spaß zu machen. Sehr sogar, denn immer, wenn ich etwas kaufte, hatte ich mich mit der Marke und dem Kleidungsstück beschäftigt und bekam eine völlig neue Wertschätzung für meine Kleidungsstücke. Unternehmen die nachhaltig produzieren legen Wert auf Haltbarkeit und Qualität, und das merkt man jedem Stück auch an. Wenn ich einen Pullover aus reiner Bio-Wolle für über 100€ kaufte, war es ein Stück, dass ich wirklich wollte und von dem ich mir sicher bin, dass ich es lange tragen werde. Bei einem Pullover aus Polyester für 39€ hatte ich mir bisher weniger Gedanken darüber gemacht und dann aber auch weniger Freude daran. Natürlich kaufte ich im vergangenen Jahr weniger, da Nachhaltigkeit und Qualität ihren Preis haben, aber dafür füllte sich mein Kleiderschrank über das Jahr ausschließlich mit Lieblingsteilen. Keine unüberlegten Schnellkäufe mehr und keine Teile aus schlechter Qualität, die nach 2 Mal tragen in den Altkleidercontainer wanderten.

Trend-Teile die ich gerne hätte, aber die sicherlich nicht nachhaltig produziert sind, sowie andere tolle Lieblingsstücke fand ich 2nd auf Plattformen wie z.B. Kleiderkreisel. Ich verkaufte dort auch das eine oder andere Stück für kleines Geld und freut mich jedes Mal, wenn etwas das mir nicht mehr gefiel und in meinem Kleiderschrank verstaubt wäre, jemand anderem Freude bereitete. 2nd Hand zu shoppen ist sicher die nachhaltigste Option, da nichts neu produziert wird und Ressourcen geschont werden.

Mittlerweile habe ich einige Lieblingsmarken, bei denen ich regelmäßig shoppe, und kann heute, nach über einem Jahr voller Stolz berichten, dass ich bis auf drei Ausrutscher in 2019 nur nachhaltige Kleidung gekauft habe.

Ausrutscher? Lena! Ja. Nobody is perfect. Im Frühjahr kaufte ich bei einer Freundin im Laden ein paar Sneakers, von denen ich keine Ahnung habe, wie sie produziert wurden. Ich wollte sie nur zum Abendessen abholen und „schwups“, hatte ich eine Tüte mit neuen Schuhen und einer Strickjacke aus Wolle in der Hand. Ich tappte im Herbst nochmal in die gleiche Falle und kaufte dort ein Kleid aus 100% Polyester. Ich ärgere mich immer noch darüber, denn ich trage das Kleid noch nicht mal. Immer wenn ich es sehe, erinnert es mich an meinen Ausrutscher in Sachen „Fair Fashion“. Nachdem es mich nun mehrere Monate täglich im meinem Kleiderschrank darin erinnert, werde ich es wohl auf Kleiderkreisel verkaufen.

Und der dritte Ausrutscher war kurz vor Weihnachten, und einer, bei dem ich mir so richtig „erwischt“ vorkam, als beim Verlassen des Ladens (ich hatte mir extra keine Tüte geben lassen, damit niemand sehen könnte, wo ich gerade eingekauft habe – ich war mir meines Fehlers sehr bewusst…) die Sicherheits-Sirenen angingen, da die Kassiererin vergessen hatte die Sicherheitsmarke zu entfernen. Das passiert mir nicht nochmal, einfach weil ich keinen Fuß mehr in eine solche Kette setzen werde! Aber an dem Tag, der einzige Tag vor Weihnachten an dem ich mich in die Stadt und den Weihnachtswahnsinn traute, war ich erschöpft und müde und der Pullover lächelte mich im Schaufenster verführerisch an. Ich war zu schwach, um zu wiederstehen, so kurz vor dem Ziel – ärgerlich!

Alles in allem, würde ich mein erstes „Fair Fashion“ Jahr aber als sehr erfolgreich verbuchen und während ich im September noch überlegte, ob ich mich ab Januar wohl wieder einem völlig ungesunden Kaufrausch bei Zara & Co. Hingeben wollen würde, weiß ich jetzt, dass ich meinen Fair Fashion Konsum auf unbestimmte Zeit fortsetzen werde. Einfach weil ich so viel Freude an jedem Teil habe, dass ich in 2019 gekauft habe. Wisst ihr noch jedes Kleidungsstück, dass ihr in 2019 gekauft habt? Ich weiß es noch, denn es sind ausnahmslos meine Lieblingsteile im Schrank!

Die Tatsache, dass mein Kleiderschrank zu Beginn von 2019 nicht leer war, machte es mir natürlich wesentlich einfacher. Müsste ich alles neu kaufen, wäre es sicher hier oder da eng geworden. Gummistiefel, eine Regenjacke oder einfache Dinge wie ein Sport-BH hätten mich sicher vor ganz andere Herausforderungen gestellt.

Da fällt mir meine Odyssee zum neuen Bikini ein. Es dauerte 3 Monate bis ich „ihn“ gefunden hatte. Ein einfacher schwarzer Bikini. Nun ist er zwar super nachhaltig produziert und das Material besteht aus alten Fischernetzen, die als Müll aus dem Meer gezogen wurden, ABER ich habe ihn aus den USA bestellt. Großer Punktabzug in Sachen Transportweg, aber auf dem europäischen Markt wurde ich einfach nicht fündig. Dafür liebe ich ihn und es ist auch mein einziger Bikini. Meine alten Modelle, die ich während meiner Jahre in Griechenland mehr getragen hatte als meine Unterwäsche, musste ich Ende letzten Jahres aussortieren.

Das Schöne daran, nur einen Bikini zu haben, ist die fehlende „Qual der Wahl“ beim Packen. Das gilt für viele Kleidungsstücke. Statt mich zwischen 10 Bikinis entscheiden zu müssen beim Packen, greife ich nun freudig direkt zu meinem Lieblingsstück, denn ich habe mir 3 Monate Zeit genommen ihn zu finden. Gesucht und gefunden. Wir zwei, wir brauchen keine „Anderen“ mehr! 🙂 

BILD: Juni 2019: Mein erstes Mal von Kopf bis Fuß nachhaltig gekleidet! 

 


Warum ist mir Fair Fashion so wichtig?

Ich bin davon überzeugt, dass jede Kaufentscheidung eine Stimme für oder gegen eine bessere Welt ist. Die Größte Macht haben wir als Konsumenten – wenn wir nichts mehr kaufen, dass unsere Umwelt belastet oder Menschen für Billiglöhne unter schrecklichen Arbeitsbedingungen arbeiten lässt, wird es weniger produziert. Ganz einfach. Und jedes Mal, wenn wir ein nachhaltig hergestelltes Produkt kaufen, unterstützen und fördern wir, dass genau davon mehr auf dem Markt kommt.

Die Grundsätze von Fair Fashion

  • Minimale Belastung der Umwelt
  • ethisch korrekte Arbeitsbedingungen
  • faire Bezahlung der Arbeitskräfte
  • kein Einsatz von Chemie und Pestiziden
  • recycelte oder innovative nachwachsende Materialien

Mit dem Kauf jeden Kleidungsstücks, dass nicht nachhaltig und fair produziert wurde, unterstützen wir die traurige Tatsache, dass Näherinnen in Fernost für einen Hungerlohn arbeiten müssen und für sich und ihre Familien ums nackte Überleben kämpfen. Dass Arbeiter auf Baumwoll-Feldern durch den Einsatz von giftigen Pestiziden ernste Erkrankungen bekommen und unsere Umwelt durch den Einsatz von Chemie belastet wird. Die Färbung alleine verunreinigt unfassbar viel Wasser.

Teuer bedeutet bei Kleidung übrigens noch lange nicht nachhaltig. Auch große Designer lassen ihre Kleidung zu Billiglöhnen nähen, um sie dann teuer zu verkaufen.

 


FASHION REVOLUTION

Als am 24. April 2013 der Gebäudekomplex „Rana Plaza“ einer Textilfabrik in Bangladesh einbrach, kamen 1.135 Menschen ums Leben. Über 2.500 wurden verletzt. Die unterbezahlte Arbeit für große internationale Fashion Brands, kostete dabei sehr vielen Textilarbeiter/innen ihr Leben. Der Grund war Baupfusch und ignorierte Warnungen vor Rissen im Beton nur Stunden vor dem Zusammensturz.

Aus dieser Tragödie entstand im Januar 2014 die „Fashion Revolution“ Bewegung, welche auch dazu beitrug, dass ein Mindestlohn von 55€ im Monat eingeführt wurde.

Jedes Jahr am 24. April zum „Fashion Revolution Day“ tragen Menschen in über 68 Ländern ihre Kleidung auf links, um nicht nur in sozialen Netzwerken, das Label „Made in …“ zu zeigen.

#WHOMADEMYCLOTHES

 


Als Orientierung für nachhaltige Kleidung, kannst Du auf diese Label beim Kauf von Kleidung achten:

  • Global Organic Textil Standard (GOTS)
  • FairTrade
  • Fair Wear Foundation (FWF)
  • WFTO
  • PETA
  • Bluesign
  • Global Recycled Standard (GRS)

 


Meine Top-Fair-Fashion Brands:

(Wo ich in 2019 eingekauft habe.)

 

 

Utopia ist auch immer eine gute Anlaufstelle, um neue nachhaltige Brands zu finden und wenn ihr auf Instagram erstmal dem einen oder anderen nachhaltigen Label folgt, werden euch ganz schnell Werbeanzeigen von anderen nachhaltigen Brands angezeigt.

Bis auf einen Trip nach Amsterdam im Oktober, bei dem ich vorab nachhaltige Boutiquen recherchiert hatte und dort dann leicht euphorisch das erste Mal in 2019 in einem „echten Laden“ shoppte, habe ich alles andere ausschließlich online geshoppt. Wer in Berlin lebt, hat es da sicher einfacher, bei uns in der Region gibt es leider kein nachhaltiges Angebot im stationären Handel. 

Ich werde mich dieses Jahr (zusätzlich) einer neuer Challenge widmen. Wir ziehen um und ich habe mir vorgenommen Möbel, Kissen, Deko und Dinge, wie Geschirr nur von nachhaltigen Unternehmen zu kaufen. Spannend! Ich werde auf jeden Fall wieder berichten und freue mich über jeden Tipp, denn ich habe noch keine Ahnung welche Marken es hier gibt!

Nachhaltig zu shoppen macht riesen Spaß! Machst Du mit? 2020 ist noch jung 😉
Wenn ihr noch weitere tolle nachhaltige Marken kennt, schreibt sie mir gerne in die Kommentare! Ich und sicher viele andere Leser hier freuen sich über weitere Tipps!

 

PS: Für den Fall, dass Du Dir vorgenommen hast, nur noch nachhaltige Pflegeprodukte oder Hundezubehör-, und Futter zu kaufen, schau doch mal in unseren Shops Lill`s Organic Body Store und Lill`s Organic Dog Store vorbei! 😉

 


WERBUNG: Dieser Artikel enthält Namensnennung und Verlinkungen zu Marken, mit welchen kein Kooperationsverhältnis besteht.

 

 

 

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