Gesundheit

Fütterungsempfehlung | so berechnest Du die richtige Menge für Deinen Hund

Auf jedem Hundefutter sind Angaben zur empfohlenen Futtermenge zu lesen und trotzdem erreichen uns sehr viele Fragen, ob die empfohlene Futtermenge wirklich die richtige für den eigenen Hund ist. Er nimmt nicht zu, oder nimmt zu viel ab, selbst bei einer erhöhten Menge bekommt er kaum Fett auf die Rippen…  

Die Fragen sind berechtigt, denn auch wenn es Richtwerte für eine empfohlene Futtermenge gibt, so bleibt es eine individuelle Angelegenheit für jeden Hund, da viele Faktoren eine Rolle spielen. Die meisten Futtermittelhersteller, ergänzen darum auch Sätze wie diese: „Die angegebenen Mengen sind als Richtwerte zu sehen. Der tatsächliche Bedarf des Hundes hängt von weiteren Faktoren ab, wie Rasse, Aktivität, Alter. Bitte passe die Futtermenge dementsprechend an.“

Mit diesem Artikel möchte ich Dich bei der Suche nach der richtigen Menge etwas unterstützen und Dir erläutern, warum die auf der Packung empfohlene Futtermenge nur für den Durchschnittshund die richtige ist.   

Da kaum jemand einen „Durchschnittshund“ hat, müssen folgende Fakten ergänzend berechnet und dann in der Menge hinzugefügt oder abgezogen werden:

GRÖSSE

Kleine Hunde brauchen im Verhältnis mehr Futter als Große und andersrum.

  • Kleiner Hund (1-15kg) = ca. 4% vom Körpergewicht am Tag
  • Mittelgroßer Hund (16-30kg) = ca. 3% vom Körpergewicht am Tag
  • Großer Hund (31-65kg) = ca. 2% vom Körpergewicht am Tag


KASTRATION

Ein kastrierter Hund hat einen langsameren Stoffwechsel und braucht entsprechend weniger Futter. 

  • Kastrierter Hund  = nur 80% der empfohlenen Futtermenge, also 20% weniger als ein nicht kastrierter Hund.  (Faktor 0,8)


AKTIVITÄT & TEMPERAMENT

  • Normal aktiv (1-2 Stunden täglich ) = empfohlene Futtermenge
  • Mäßig aktiv (2-3 Stunden täglich ) = 25% mehr als die empfohlene Futtermenge (Faktor 1,25)
  • Sehr aktiv (4-5 Stunden täglich ) = 75% mehr als die empfohlene Futtermenge (Faktor 1,75)
  • Extrem aktiv (5-6 Stunden täglich ) = die doppelte Menge der empfohlene Futtermenge (Faktor 2)

Hier spielt es natürlich auch eine Rolle, ob der Hund während dem Spaziergang gemütlich neben Dir her läuft, oder im Freilauf das fünf-Fache der Wegstrecke zurücklegt. Liegt Dein Hund zuhause gemütlich auf seiner Decke, oder flitzt er von einem Raum in den anderen und kommt nicht zur Ruhe?


Beispiel 1: 

Mittelgroße Hündin, 25kg, kastriert, sehr aktiv

= 750g / Tag (3% vom Körpergewicht, für einen mittelgroßen Hund)
*0,8 da der Hund kastriert ist = 600g / Tag
*1,75 da der Hund sehr aktiv ist = 1.050g / Tag

Tatsächlich benötige Futtermenge: 1.050 g / Tag

Fütterungsempfehlung vom Hersteller:
20-30kg: 800-1200g / Tag

Beispiel. 2: 

Mittelgroße Hündin, 25kg, kastriert, normal aktiv

= 750g / Tag (3% vom Körpergewicht, für einen mittelgroßen Hund)
*0,8 da der Hund kastriert ist = 600g / Tag
*1 da der Hund normal aktiv ist = 600g / Tag

Tatsächlich benötige Futtermenge: 600 g / Tag

Fütterungsempfehlung vom Hersteller:
20-30kg: 800-1200g / Tag

Die beiden Beispiele unterscheiden sich „nur“ in der Aktivität und haben doch einen Unterschied von 450g / Tag. Eine Menge die schnell über Unter- oder Übergewicht entscheiden kann. 


AUSNAHMEN BESTÄTIGEN DIE REGEL

Auch jetzt, sind die Werte als Richtwert zu sehen und es ist wichtig, den eigenen Hund in Bezug auf sein Gewicht im Auge zu behalten. Die meisten Hunde sind übergewichtig aber es begegnen mir auch viele Hundebesitzer*innen, die völlig ratlos sind, wie sie ein bisschen Fett auf die Rippen ihres Hunde bringen können.


GESUNDHEITSZUSTAND

Zu dünn oder zu dick. Beide extreme sind nicht gesund und sollten Tierärztlich untersucht werden, wenn die Abweichung der Futtermenge zu groß wird und trotzdem erfolglos bleibt. Ein Hund der trotz der doppelten errechneten Futtermenge zu dünn ist, kann krankheitsbedingte Gründe dafür haben. Ein Hund der trotz halber Futtermenge nicht abnimmt, sollte ebenfalls untersucht werden. Es gibt zahlreiche Krankheitsbilder, die für beides der Auslöser sein können. 


SPORADISCH HOHE ODER GERINGE AKTIVITÄT

An Tagen, an denen ein normal aktiver Hund z.B. auf einer Wanderung „extrem aktiv“ ist, kann bzw. sollte die Futtermenge entsprechend angepasst werden. Der Körper verbrennt dabei mehr Energie und benötigt entsprechend auch mehr. Auch eine gute Lösung ist es extra Snacks oder Futter für Unterwegs einzupacken z.B. Power-Riegel oder besonders Proteinhaltige Snacks.

Nicht nur nach der Aktivität, sondern auch schon vorher. Andersrum darf an einem „faulen“ Sonntag auch mal etwas weniger im Napf landen.


LÄUFIGKEIT

Vor, während und nach der Läufigkeit verändert sich nicht nur der Hormonhaushalt einer Hündin, sondern auch ihr Stoffwechsel. Da kann dazu führen, dass Hündinnen vor, während oder nach Läufigkeit plötzlich stark zunehmen, obwohl die Futtermenge nicht verändert wurde. Das ist erstmal kein Grund zur Sorge, jedoch Grund die Futtermenge kurzfristig und vorrübergehend entsprechend anzupassen.


FELLWECHSEL

Während dem Fellwechsel benötigt der Hundekörper zusätzliche Energie und Nährstoffe, sein Stoffwechsel ist in dieser Zeit aktiver als sonst und es darf gerne etwas mehr in den Napf. Vor allem zusätzliche Nährstoffe (z.B. Bierhefe) sind in dieser Zeit wichtig, damit kein Mineralmangel entsteht, der u.a. das Fell stumpf werden lässt.


INHALTSSTOFFE

Natürlich ist die Menge alleine nicht entscheidend für das perfekte Gewicht, auch die Inhaltsstoffe sind relevant. Ein hoher Anteil an Kohlenhydraten führt z.B. schneller zu Übergewicht.

Kohlenhydrate bitte nicht pauschal mit Getreide im Futter verwechseln!
Getreide sind zwar Kohlenhydrate, aber nicht alle Kohlenhydrate sind Getreide z.B. Kartoffeln. Jeder Hund braucht Kohlenhydrate im Futter!


JAHRESZEITEN & HALTUNGSFORM

Wie auch bei uns, ist der Hundekörper im Sommer etwas träge und andersrum braucht er im Winter mehr Energie zum „heizen“. Das mehr an Energie bekommt der Hund über ein mehr an Futter. Das gilt jedoch nicht für Hunde, die den größten Teil des Tages in geheizten Räumen liegen, sondern nur für Hunde die ihren Körper mehrere Stunden in der Kälte „heizen“ müssen. Hunde die im Freien gehalten werden, betrifft das dann aber natürlich schon.


Dein eigener gesunder Hunger (nicht zu verwechseln mit Appetit) gibt Dir bei vielen dieser Punkte einen guten Richtwert. Wenn Du nach einer Tageswanderung  im Schnee einen großen Teller Käßspätzle verdrückst und danach noch Platz für einen Kaiserschmarren hast, wird auch Dein Hund etwas mehr im Napf brauchen.

Wie auch bei Dir, zeigt sowohl Dein als auch der Hundekörper ganz genau ob das Gewicht gesund ist oder nicht. Ein Hund bei dem man die Rippen kaum noch ertasten kann ist zu dick und sollte weniger Futter bekommen, damit er keine gesundheitlichen Problem durch das Übergewicht bekommt. Übergewicht führt bei Mensch und Hund zu Gelenkproblemen, einer verkürzten Lebenserwartung und vielen weiteren Krankheitsbildern.


Und damit Du nun beim Rechnen keinen Knoten in die Finger und den Kopf bekommst, darfst Du alle relevanten Werte Deines Hundes in einen Kommentar unter diesem Artikel (nicht auf Instagram oder sonst wo bitte) schreiben und bekommst von mir die genaue empfohlene Futtermenge. Rechne diese gerne auch selbst aus und ich überprüfe sie für Dich. 

Ich hoffe sehr der Artikel konnte euch helfen, um die richtige Futtermenge für Deinen Hund zu ermitteln. Fragen gerne ebenfalls in den Kommentaren hinterlassen, wo ich sie dann öffentlich für alle gerne beantworte.

Im Shop bieten wir auch eine individuelle Futterberatung für Deinen Hund an. Unsere Ernährungsberaterin für Hunde beantwortet Dir gerne Deine individuellen Fragen.

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6 Comments

  • Reply
    Oehme Nicole
    18. Dezember 2021 at 12:33 pm

    Hallo liebe Lena,
    vielen Dank für den sehr interessanten Artikel. Das Beispiel mit der Berechnung der richtigen Futtermenge treibt mich schon länger um. Deshalb Danke

  • Reply
    Verena
    24. Februar 2022 at 7:09 pm

    Hallo Lena,
    danke für die ausführliche Erklärung.
    Ich habe gerade für 1 Woche eine kastrierte Hündin in Pflege. Sie wiegt 32kg und hat meiner nach 3-4 kg Zuviel auf den Rippen. Vielleicht kannst du mir einen Tipp geben. Wie ich ihr Gewicht in der Woche vielleicht etwas reduzieren kann.
    Danke
    Verena

    • Reply
      LILLY & LENA
      24. Februar 2022 at 7:18 pm

      Liebe Verena,
      eine Futterberatung kann ich hier ohne genaue Details zu kennen nicht machen. Melde Dich aber gerne bei unserer Ernährungsberaterin für Hunde, sie hilft Dir gerne weiter!
      https://lills.store/futterberatung

      Liebe Grüße,
      Lena

    • Reply
      Schöneberger
      17. September 2022 at 8:03 pm

      Bin so froh das ich deinen Artikel gefunden habe.
      Mein Ritchi ist 13 Jahre geht bis zu zwei Stunden am Tag Gassi rennt wie blöd. Muss ihm immer Bremsen.
      Zur Zeit bekommt er morgen und abends 120 bis 130 gramm. Ist das zu wenig. Er hat 8 Kilo ist ein Jack Russel

  • Reply
    Mona
    13. Mai 2022 at 1:09 pm

    Mein Chihuahua-Mischling ist männlich, ca. 6 Jahre alt und wieg um die 6 kg.
    Er bekommt morgens Trockenfutter und abends Nassfutter. Wie berechne ich das dann?
    Vielen Dank im Voraus für die Antwort! 🙃

    • Reply
      LILLY & LENA
      14. Mai 2022 at 11:11 pm

      Du berechnest für beide Futterarten die Tagesmenge und nimmst dann jeweils die Hälfte.

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