dies & das

Meine Entscheidung zum Thema Kastration

Lilly ist eine Hündin und seit ihrer ersten Läufigkeit (wir haben gerade die zweite hinter uns) steht die Frage der Kastration im Raum…

An der Stelle eine kurze Begriffserklärung, denn ich dachte zuerst immer Hündinnen werden Sterilisiert und Rüden kastriert, aber das stimmt so nicht. In der Tiermedizin werden nur Kastrationen durchgeführt, sowohl bei Rüden als auch bei Hündinnen.

Bei einer Kastration werden bei einem Rüden die Hoden und bei Hündinnen die Eierstöcke operativ entfernt, als die jeweiligen Keimdrüsen. Damit können sich keine Geschlechtshormon mehr bilden und der Fortpflanzung trieb unterbunden.

Bei einer Sterilisation hingegen, welche nur an Menschen durchgeführt wird, werden nur die Keimwege (Samenleiter oder Eileiter) unterbunden, so dass das die Keimproduktion und das Sexualverhalten unberührt bleiben.

Der Grund warum bei Hunden (und Katzen) nur Kastrationen durchgeführt werden, ist das es bei einer Sterilisation häufig zu Spätfolgen kommt.

So viel zur Theorie. Nun also zurück zur Frage, ob ich Lilly kastrieren lassen soll oder nicht. Alle Tierärzte haben mir bisher dazu geraten, sofern ich keine Pläne haben Lilly Welpen bekommen zu lassen. Hm habe ich die?

Also ganz ehrlich weiss ich das jetzt einfach noch nicht. Ich habe aber die romantische Idee, dass Lilly Welpen bekommt wenn ich ein Kind bekomme (oder 2-3 Jahre später) und die beiden dann zusammen aufwachsen. Hach. 🙂

Mir ist durchaus klar, dass das in der Realität nicht ganz so romantisch sein wird, denn da ich nicht alle Welpen behalten könnte, steht ein großer Herzschmerz ins Haus und Welpen sind auch eine Menge Arbeit. Nicht zuletzt habe ich gehört, dass Hündinnen die Welpen bekommen häufig stark ihren Charakter verändern und viele sagen “sie ist nicht mehr die Selbe”.

Das bringt mich nun auch zu meinem eigentlichen Beweggrund von einer Kastration eher abzusehen. Es ist einfach natürlich dass sich eine Hündin verändert wenn sie Mutter wird. Wir Menschen tun das ja auch und ich denke das ist auch gut so. Klar, Menschen nimmt man die Kinder später nicht weg..

Grundsätzlich kommt es mir aber doch schon am gesündesten vor, die Natur so zu belassen wie sie ist. An der Stelle sei erwähnt, dass ich mich mit dem Argument der nervigen Läufigkeit gar nicht erst befasse. Ich finde es nicht so schlimm und das Umgehen der Läufigkeit kann für mich absolut kein Argument für eine Kastration sein.

Ja, ich es gibt Ausnahmefälle.

Als ein Ausnahme Argument würde ich akzeptieren wenn Hündinnen und Rüden zusammen im selben Haushalt wohnen. Das ist sicher nicht immer geplant gewesen (für diejenigen die nun sagen das ist ja auch blöd sich einen Rüden zu holen wenn man schon eine Hündin hat oder andersrum) und neben der Challenge für die Hundehalter die beiden voneinander fernzuhalten, würde die beiden auch darunter leiden. Rüden können Gesundheitsprobleme bekommen wenn sie mit einer läufigen Hündin zu lange in Kontakt sind ohne sich dabei zu decken.

Ein weiteres Argument für eine Kastration, ist die Geschichte die mir eine Freundin erzählt hat, darüber warum sie – schweren Herzens – ihren Rüden hat kastrieren lassen. Der Gute ist ein Mischling, teils Rotweiler, ein volles Energiebündel, heute noch. Ich kann nur erahnen wie viel Power er vorher hatte und sie sagt, sie vermisst diese Vitalität an ihm heute, aber er ist mehrmals abgehauen. Er ist draußen nie von der Leine, aber er springt locker über einen 1,5 m Zaun, klettert sogar auf Bäume – eine wirklich starke Sprungkraft. Einmal war er 10 Tage verschwunden. Wenn er eine Hündin riecht, hält ihn nichts mehr. Und das war einfach zu gefährlich für ihn selbst. Die Kastration wurde zu seiner eigenen Sicherheit durchgeführt.

Es gibt also Fälle, die ich durchaus nachvollziehen kann, nur eben nicht dass es allgemein besser für den Hund ist.

 

Weiter also zu den angeblich gesundheitlichen Vorteilen einer Kastration.

ACHTUNG: bitte den Artikel unbedingt bis zu Ende lesen, denn diese gesundheitlichen Vorteil wurden mittlerweile von der Forschung widerlegt bzw. es wurden mehr Nach,- als Vorteile erwiesen.

Bei einer Hündin sagt man folgendes:

  • Verhinderung von Brustkrebs
  • Verhinderung von Eierstock-Tumoren und Gebärmutter-Vereiterungen
  • Stabilisierung von hormonell bedingten Stimmungsschwankungen welche während der Läufigkeit auftreten, wobei nach der Kastration ein gewisser Testosteron-Überhang bestehen kann welchen die Hündin “männlich-grimmiger” machen kann.

Bei Rüden hat man die Kastration bisher weniger als Muss angesehen, da es weniger gesundheitliche Vorteile gab. Als Vorteil werden ein geringeres Risiko oder eine Vermeidung von Hosentumoren, Prostatatumoren, Gutartiger Prostatavergrößerung und Perianaltumoren genannt. Einige Rüden werden kastriert, um das sehr männliche Verhalten zu besänftigen.

 

Und dann gibt es die Nebenwirkungen einer Kastration:

  • Harninkontinenz (Harnträuflen) bei Rüden wie Hündinnen.
  • Fellveränderungen vor allem bei langhaarigen Rassen.
  • Fettleibigkeit wenn ich der Kalorienbedarf nicht an den reduzierten Bedarf nach einer Kastration angepasst wird.
  • Tierarzt Ralph Rückert, auf den ich gleich noch näher eingehe) weisst auch auf die persönliche Erfahrung hin, dass die Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) die bei Hunden weit verbreitet ist, fast nur bei kastrierten Hunden auftritt.

Wie eingangs erläutert, das war der Stand der Wissenschaft vor 30 Jahren, wie ich im Artikel von Tierarzt Ralph Rückert lernen durfte.

 

**Der heutige Stand der Forschung sieht anders aus! **

Kastrierte Hündinnen und Rüden haben mehr gesundheitliche Nachteile als Vorteile durch eine Kastration. Das Risiko einiger Krebsarten wird sogar größer. Es wurden Verhaltensstörungen nachgewiesen. Zum Beispiel die die Angst vor Gewittern ist erheblich häufiger bei kastrierten Hunden festgestellt worden. Das Risiko von Knochenkrebs steigt um das drei- bis vierfache. Man hat festgestellt, dass Prostatatumore bei kastrierten Rüden genauso oft vorkommen wie bei nicht kastrierten Rüden. Neben der Schwächung des Immunsystems, was zu mehr Infekten generell führt, kommt es nach einer Kastration auch fast immer zu Milztumoren.

Tierarzt Ralph Rückert hatte seine eigenen Hunde (von denen einer an einem Milztumor gestorben ist), vor einigen Jahren selbst kastriert, würde es aber heute nicht mehr tun.

Mein persönlicher Gedanke (nicht medizinisch fundiert) zum Thema Brustkrebs ist auch, dass Frauen ohne Kinder häufiger zu Brustkrebs neigen und das dass doch durchaus bei Hündinnen so sein könnte.

 

**Meine Entscheidung:**

Ich werde Lilly nicht kastrieren!
Zusammengefasst sind meine Gründe für diese Entscheidung:
 Meine romantische Idee von Welpen, die gesundheitlichen Nachteile und das Vertrauen in die Natur, dass alles richtig ist so wie es ist.

Die Läufigkeit ist mein Problem, nicht Lilly´s. Sie hat kein Problem die Höschen zu tragen und leidet auch nicht unter der Läufigkeit, was ich meine daran zu erkennen, dass sie abgesehen von etwas mehr Schlaf, fröhlich und lebendig ist wie immer.

Ich freue mich über Eure Meinung dazu und hoffe der Artikel konnte dem einen oder anderen Helfen die richtige Entscheidung für den eigenen Hund zu treffen. Wenn ihr noch weitere Argumente, Fakten oder Artikel dazu habt, gerne im Kommentar hinterlassen!

Eine kleine Anmerkung habe ich noch, für alle die, welche ihren Hund bereits kastriert haben. Ich bin mir sicher ihr habt das aus bestem Wissen und Gewissen und nach Rücksprache mit Eurem Tierarzt gemacht, welcher es ebenso getan hat, weil das nun mal der Stand der Forschung war. Wir wollen alle nur das Beste für unsere Hunde und ich möchte hier niemanden kritisieren oder angreifen der seinen Hund bereits hat kastrieren lassen.

Den vollständigen Artikel von Tierarzt Ralph Rückert findet ihr hier.

 



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4 Comments

  • Reply
    Fabienne
    7. März 2016 at 12:56 pm

    Hallo ihr liebe Lilly & Lena,
    ein wirklich toller Bericht über ein eigentlich immer aktuelles Thema. Wir haben uns bei Momo bewusst für eine Kastration entschieden, da sie bereits bei ihrer ersten Läufigkeit Scheinschwanger war. Das hat sie doch mehr mitgenommen als wir ursprünglich gedacht haben und ihre Drüsen waren extrem angeschwollen. Kleinere Hunde werden ja meistens sogar zwei mal im Jahr läufig, daher standen wir vor der gleichen Frage, Kastration ja oder nein. Vorteile bzw. Nachteile abwägen und entscheiden. Heute bin ich sehr froh das wir uns für diesen Schritt entschieden haben und sie kastrieren haben lassen. Allein wegen dem Risiko einer Gebärmutterentzündung oder Krebs, was besonders bei so kleinen Rassen häufig vor kommt. Trotzdem vertrete ich die Meinung das jeder für sich entscheiden muss was er für richtig hält und es kein Patentrezept gibt. Daher danke für deinen tollen informativen Bericht.
    Ganz liebe Grüße,
    Fabienne und Momo

  • Reply
    Severine
    7. März 2016 at 6:39 pm

    Ein toller und informativer Artikel, Dankeschön … auch für die Entscheidung, Deine Hündin nicht kastrieren zu lassen.

    Wo ich Dir wiedespreche ist, dass es sehr wohl ein Patentrezept gibt: Die Kastration eines Lebewesens, mithin eine Amputation, ist juristisch und ethisch nur mit medizinischer Indikation statthaft. Eine Kastration zur Populationskontrolle (z.B. Straßenhunde) ist juristisch strittig, ethisch meist vertretbar. Eine Kastration ohne diese Indikationen (um sich selbst das Leben einfacher und bequemer zu machen) erfüllt den Tatbestand der Körperverletzung und Tierquälerei!

    Problematisch ist nur der ganze Bereich der Prophylaxe, da wo jede Menge TiermedizinerInnen jede Menge Geld verdienen.

    Im übrigen ist es Unsinn, dass Sterilisationen nur bei Menschen durchgeführt werden. 😉 Diese werden gerade im Auslandstierschutz immer wieder als Alternative zur Kastration diskutiert und durchgeführt.

    Zum Amputationsverbot gem. § 6 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 a) TierSchG findest Du hier einen tollen Artikel: http://www.wuff.at/Die-Kastration-von-Hun.1864.0.html

    Ansonsten ‚Applaus‘ und nochmals Dankeschön
    Severine und die Bande

  • Reply
    Andrea
    7. März 2016 at 6:49 pm

    Mir fehlt die Erfahrung mit einer intakten Hündin, da ich Linda bereits kastriert aus dem Tierschutz übernommen habe. Zuvor hatte ich einen Rüden (unkastriert) und das war zeitlebens nie ein Problem. Natürlich gibt es, wie Du schon sagst, Einzelfälle, bei denen eine Kastration wirklich angezeigt ist, aber generell tendiere ich dazu, nicht zu kastrieren. Immerhin ist das ein gewagter Eingriff in den Hormonhaushalt mit allen Nachteilen, die eine fehlende Hormonproduktion mit sich bringt. Und die sind nicht ganz unerheblich, besonders, da einiges an Problemen zusammenkommt und zudem Hunde in immer jüngerem Alter kastriert werden. Leider gibt es darüber kaum brauchbare Informationen im Netz, da hier wohl gerade erst ein Umdenken im Tierbereich stattfindet. Aber hier und da lassen sich schon deutliche Parallelen zu hormonellen Problemen beim Menschen finden.

    LG Andrea mit Linda

  • Reply
    Scheinträchtigkeit bei Hündinnen | Erfahrung, Symptome, Vorbeugung | Der Hundeblog für Hundeliebhaber
    11. Juli 2019 at 11:55 am

    […] Meine Entscheidung zum Thema Kastration […]

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