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Scheinträchtigkeit bei Hündinnen | Erfahrung, Symptome, Vorbeugung

In meinem vorletzten Artikel hatte ich von Lill’s Scheinträchtigkeit berichtet und möchte wie angekündigt heute noch mal tiefer darauf eingehen, da mich das Thema recht unvorbereitet traf und ich mich selbst erwischt habe, dass meine erste Reaktion durch ein recht oberflächiges Halbwissen gesteuert war.

Bevor ich ihre Scheinträchtigkeit bemerkte, war Lilly auffällig verkuschelt und anhänglich. Wir genossen es, führten ihr Verhalten aber nicht auf eine Scheinträchtigkeit zurück, da ihre Läufigkeit zu dem Zeitpunkt bereits fast drei Monate zurücklag. Eine Scheinträchtigkeit hätte ja direkt nach der Läufigkeit auftreten müssen. Falsch! Eine Scheinträchtigkeit und der Milcheinschuss wie ich ihn im Mai bei Lilly bemerkte, treten genau dann auf, wenn die Hündin die Welpen bekommen hätte, wäre sie tatsächlich gedeckt worden. Eine Hündin ist ca. 60 Tage trächtig, bevor sie ihre Welpen zur Welt bringt.

Als ich an einem Sonntagmorgen bemerkte, dass Lilly Milchausfluss hat und ihre Zitzen verklebt sind, war meine erste Reaktion Panik. „Oh nein, Lilly ist scheinträchtig, was muss ich jetzt tun? Sofort zum Tierarzt? Was passiert jetzt? Sollte ich Lilly doch kastrieren lassen?“ waren meine Gedanken, welche aber dann schnell beruhigt wurden, denn eine Scheinträchtigkeit ist völlig normal und kein Ausnahmezustand.

Das war mir aber im ersten Moment gar nicht bewusst, denn einer der Hauptgründe den ich bisher gelesen hatte, darüber warum Hündinnen kastriert werden, ist das Auftreten der Scheinträchtigkeit. „Mein Hund war Scheinträchtig, darum haben wir sie kastrieren lassen“, liest man so oft und darum war auch meine erste Reaktion so panisch.

Solange Lilly keine gesundheitlichen Probleme hat oder sogar Schmerzen, möchte ich sie nicht kastrieren lassen. Ist eine Scheinträchtigkeit ein gesundheitliches Problem? Erstmal nicht. Im Gegenteil, wie bereits erwähnt, ist die Scheinträchtigkeit bei Hunden sogar ziemlich normal. Die Natur ist nämlich einfach der Hammer und hat gute Gründe dafür, dass Hündinnen so oft Scheinträchtig werden.

Warum werden Hündinnen Scheinträchtig?

Was ich an diesem Sonntag von meiner Tierheilpraktikerin und Hundetrainerin lernte, kostete mich eben einige Suchanfragen bei Google, bis ich Ergebnisse fanden, die deren Erklärung bestätigte. Sämtliche Suchergebnisse lieferten mir nur eine Antwort. Der Hund hat gestörte Hormone, das Hormon Progesteron sinkt und das Hormon Prolaktin steigt, wodurch dem Körper eine Schwangerschaft vorgetäuscht wird, worauf dieser beginnt Milch zu produzieren. Diese „Störung“ kann entweder Hormonell mit Prolaktinhemmern behandelt werden und/oder die Hündin sollte kastriert werden.

Das mag eine medizinisch korrekte Erklärung für die Scheinträchtigkeit sein, wobei mir die Behandlungsmethode entscheidend zu heftig ist, ohne das mir erklärt wird, wie es zu dieser Hormonellen Reaktion nach einer Läufigkeit überhaupt kommt.

Es handelt sich hierbei nämlich ganz und gar nicht um eine „Störung“, sondern um ein wirklich beeindruckendes Schauspiel der Natur.
Der Grund für eine Scheinträchtigkeit ist auf das Verhalten der Wölfe im Rudel zurückzuführen. Dort gibt es nur eine Rudelchefin, die vom männlichen Rudelanführer gedeckt wird. Die Rudelchefin zieht sich nach der Geburt erstmal zurück und bewacht ihren Wurf, sobald diese dann aber zum Rest des Rudels dürfen übernehmen die anderen weiblichen Wölfe im Rudel mit Verantwortung und entlasten die Rudelchefin indem sie sich mit um die Versorgung der Jungen kümmern. Wölfe und Hunde sind in der Lage ohne eine tatsächliche Schwangerschaft Milch zu geben.

Ist eine Hündin also nicht tatsächlich Trächtig, gehen ihre Instinkte davon aus, dass es eine andere Hündin im Rudel ist und sie bereiten sich darauf vor, diese bei der Ernährung der Welpen zu unterstützen, indem sie Scheinträchtig wird. Das ist beeindruckend oder?

Die Scheinträchtigkeit müsste darum eigentlich Scheinmutterschaft heißen, denn eine scheinträchtige Hündin verhält sich wie eine frischgebackene Hundemutter.

Behandlung & Risiken einer Scheinträchtigkeit

Die Scheinträchtigkeit selbst ist erstmal ein völlig natürlicher Vorgang, welcher nur dann Risiken birgt, wenn die Hündin nicht tatsächlich mit dem Stillen beginnt. Es kann zu einem Milchstau und dadurch zu einer Entzündung der Gesäuge kommen. Beides kann sanft und homöopathisch behandelt werden.

Viel belastender für die Hündin während einer Scheinträchtigkeit ist die Psyche, da sie sich auf die Ernährung von Welpen vorbereitet, welche dann einfach nicht kommen. Aber auch hier gibt es einfache Möglichkeiten, das seelische Leiden der Hündin zu mildern.

Ein größeres Risiko stellt die Gebährmutterentzündung dar, welche wohl bei rund 25% aller Scheinträchtigkeiten vorkommt. Vermehrt dann, wenn die Hündin vorher hormonell behandelt wurde, um eine Läufigkeit zu verhindern, nach der Geburt von Welpen, wie auch mit zunehmendem Alter. Die frühzeitige Diagnose ist hier ausschlaggebend für den Erfolg der Behandlung, welche ebenfalls homöopathisch unterstützt werden kann. Ein Besuch beim Tierarzt ist aber dringend notwendig, auch weil die Hündin während einer Gebährmutterentzündung unter starken Schmerzen leiden kann. Eine fortgeschrittene Gebährmutterentzündung kann in manchen Fällen nur noch durch eine Kastration behandelt werden, da sie tödlich enden kann.

Symptome einer Scheinträchtigkeit

  • Verstärkte Anhänglichkeit / Hund ist sehr verkuschelt
  • Hund hat plötzlich Probleme mit dem allein sein
  • Hund schläft sehr viel oder ist sogar lethargisch
  • Spielzeuge werden bemuttert oder bewacht
  • Zunahme des Bauchumfangs
  • Geschwollenes Gesäuge
  • Die Hündin neigt zu Unruhe
  • Aggressives oder beschützerisches Verhalten
  • die Milchdrüsen schwellen an
  • die Zitzen werden häufig geleckt
  • Jammern, Fiepen

 

Symptome einer Gebährmutterentzündung

  • starker Durst
  • vermehrter Harnabsatz
  • häufiges Lecken des Genitalbereichs
  • Schmerzen im Unterbauch (Hunde zeigen Schmerzen auf ganz unterschiedliche Art und Weise, bei Lilly würde ich es wohl durch vermehrtes Schmatzen bemerken)
  • Fester Unterbauch, ggf. auch aufgetrieben
  • Appetitlosigkeit
  • Durchfall / Erbrechen
  • Fieber

 

Vorbeugen einer Scheinträchtigkeit

  • Dem Hund schon während der Läufigkeit nicht den Unterbauch oder an und um das Gesäuge streicheln
  • Spielsachen spätestens am Ende der Läufigkeit wegräumen
  • Das lecken der Gesäuge regt die Milchproduktion an, darum sollte dies durch Ablenkung verhindert werden
  • Viel Ablenkung, z.B. durch häufiges Spazierengehen

 


Mein persönliches Fazit:

Eine Scheinträchtigkeit ist keine Störung, sondern eine natürliche Erscheinung. Sobald der Milcheinschuss beginnt, kann dieser in den meisten Fällen homöopathisch gelindert und beendet werden. Es gilt den Hund drei Monate nach der Läufigkeit genau zu beobachten, auch um eine Gebährmutterentzündung frühzeitig zu erkennen. Um einer Scheinträchtigkeit und damit dem Risiko einer Gebährmutterentzündung vorzubeugen, können einfache Maßnahmen ergriffen werden. Eine Scheinträchtigkeit selbst ist erstmal kein medizinisch notwendiger Grund für eine Kastration. Die Ausnahme besteht dann, wenn die Hündin nach jeder Läufigkeit eine sehr ausgeprägte Scheinträchtigkeit entwickelt, da damit die Gefahr einer Gebährmutterentzündung steigt.

Und Lilly?
Nachdem meine Mutter am nächsten Tag mit Lilly bei unserer Tierheilpraktikerin war und homöopathisch behandelt wurde, war die Milchproduktion nach nur 3 Tagen wieder beendet und auch ihr psychischer Zustand (wie das erhöhte Kuschelbedürfnis) regulierte sich innerhalb weniger Tage.

Auch Lill`s aggressives Verhalten, dass ich hier beschrieben hatte, wurde in den Tagen nach Abklingen der Scheinträchtigkeit gemildert. Ganz über den Berg sind wir aber immer noch nicht. Darüber berichte ich aber im nächsten Artikel ausführlich.

Kastriert wird Lilly nach oder wegen diesem Vorfall nicht. Ich halte es zum einen nicht für medizinisch notwendig und zum anderen auch für einen wirklich heftigen Eingriff einem weiblichen Wesen, ganz egal ob Hund, Katze oder Mensch, die Gebärmutter und ihre Eierstöcke zu entfernen. Nicht nur, dass dieser Eingriff eine Narkose und sehr heftige Operation mit sich bringt, auch ihr Hormonhaushalt wäre damit auf Eis gelegt. Und Mädels, was wären wir ohne unsere wunderbaren Hormone?

Wie wichtig und wahnsinnig schlau unsere Hormone sind, lese ich gerade in dem Buch „WomanCode“*. Das ist nun wieder ein ganz anderes Thema, aber wer wissen will wie die eigenen Hormone im Körper funktionieren und wieviel damit zusammenhängt (Stimmung, Haut, Gewicht, Regelschmerzen, Unfruchtbarkeit…), dem lege ich das Buch sehr ans Herz!

Mit der AGILA Haustierversicherung, hatte ich bereits über das Thema Kastration gesprochen und einen Artikel darüber erfasst, dass Kastrationen in Deutschland gar nicht erlaubt sind, wenn kein besonderer Grund vorliegt. Welche Gründe eine Kastration rechtfertigen, kannst Du hier lesen. 

 

 

Mehr von mir zum Thema Kastration bei Hündinnen kannst Du hier lesen.

Meine Entscheidung zum Thema Kastration

Zweifel, Gründe und Gedanken: Warum ist Lilly nicht kastriert?!


 

 

 

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