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Zweifel, Gründe und Gedanken: Warum ist Lilly nicht kastriert?!

Was, wenn der Hund wenige Tage vor dem geplanten Urlaub läufig wird? Lilly war schon eine Weile „drüber“,aber das war bei der letzten Läufigkeit schon so. Es scheint, als hätte sich ihr Zyklus von 7 auf 10 Monate eingependelt. Das ist mir natürlich nur Recht, aber als sie dann fünf Tage vor unserem Ostsee Urlaub läufig wurde, war das dann schon irgendwie blödes Timing. Den Urlaub abzusagen, kam nicht in Frage, aber wie würde es werden, mit einer Läufigen Hündin im Hotel? Um Lilly machte ich mir dabei weniger Sorgen, obwohl ich wusste, dass ihr Freilauf am Strand etwas eingeschränkt sein würde. Mehr Gedanken machte ich mir um eventuelle Rüden, die zeitgleich mit uns im Hotel sein könnten.

Ja, die lieben Gedanken, die man sich immer wieder macht. Lilly nicht zu kastrieren war und ist immer eine ganz bewusste Entscheidung. Bewusst und auch emotional. Vielleicht sogar mehr emotional als rational. Ich bin nicht sicher, was hier in meiner Entscheidung Lilly nicht zu kastrieren am Ende überwiegt.

Bei allen Pro und Contra die man hier und da liest, ist es für mich als Frau, wohl vor allem emotional, dass ich ihr nicht die Gebärmutter entnehmen lassen möchte. Mit der Entnahme der Gebärmutter entsteht nicht nur ein großes Loch in ihrem Körper, auch ihre Hormone wären ihr genommen.

Die Hormone, sind wohl das, was uns in Ihrem Zyklus wohl am meisten Schwierigkeiten bereitet. Uns, nicht ihr. Denn gesundheitlich, hatten wir noch nie Probleme. Lilly war noch nie Scheinschwanger, hatte noch nie Entzündungen oder Schmerzen. Aber Ihre Stimmungsschwankungen sind schon heftig. Bereits mehrere Monate vor Ihrer Läufigkeit wird Lilly zur Diva und entwickelt eine ausgewachsenen „Zickigkeit“ gegenüber anderen Hunden. Aggressivität trifft es wohl besser, wenn ich ehrlich bin. Begegnungen mit fremden Hunden,ganz egal ob mit Hündinnen oder Rüden, sind für uns Monate lange sehr schwierig. Nun, da sie einige Wochen nach der Läufigkeit immer noch ein solches Verhalten zeigt, bin ich jedoch schon gar nicht mehr sicher, ob es überhaupt hormonell bedingt ist. Wir arbeiten daran, eine Lösung zu finden…

Lange Rede kurzer Sinn, Lilly gibt uns absolut keinen Anlass über eine Kastration nachzudenken. Dafür aber andere. Sobald Lilly Läufig ist, wird uns jeden Tag die gleiche Frage gestellt. „Warum ist Lilly nicht kastriert?!“ Die Frage hat immer etwas Vorwurfsvolles an sich. Manchmal ist es auch keine Frage, sondern ein Vorwurf.

Halter von Rüden sehen unkastrierte Hündinnen nicht gerne und haben ja auch tatsächlich etwas damit zu kämpfen, wenn in der Nachbarschaft die Hormonduftwolken durch die Luft fliegen und der Rüde mit herzzerreißendem Liebeskummer vor der Tür sitzt…

Es scheint normal geworden zu sein, dass der Hund kastriert wird und die Frage, warum Lilly das nicht ist, klingt erstaunt und neugierig auf eine exotische Erklärung, für dieses rebellische und ungewöhnliche Handeln von mir als Hundehalter, meinen Hund nicht zu kastrieren.

Diese Annahme geht soweit, dass die meisten die Lilly in ihren Läufigkeitshöschen sehen, davon ausgehen, dass es sich um eine Windel handelt. Ein blutender Hund, das sieht man einfach zu selten. Zum einen, weil die meisten Hündinnen kastriert sind, aber auch weil nicht jeder mit einer Läufigen Hündin im Höschen die Öffentlichkeit sucht. Ich habe mich am Tag der ersten Läufigkeit entschieden, dass wir die Höschen mit Stolz tragen werden und entschieden, dass uns das nicht peinlich ist. Das Einzige, dass ich überdenke, sind Situationen mit anderen Hunden. Ein Hundetraining zu besuchen, in dem auch Rüden teilnehmen, würde ich meiden, das wäre einfach unfair.

 

Ich überdenke meine Entscheidung immer wieder neu

So sicher ich mir mit meiner Entscheidung bin, ich gebe zu, ich stelle sie während jeder Läufigkeit in Frage. Das tägliche Fragen, Wochen an denen Lilly nur an der langen Leine raus darf… immer wieder bekomme ich Zweifel. So auch bei dieser Läufigkeit wieder. Ich weiß gar nicht mehr wie das passieren konnte, denn selbst das Reisen mit Lilly war absolut problemlos. Also begann ich wieder zu recherchieren, zu lesen und setzte am Ende wiedermal einen grünen Hacken neben meine Entscheidung. Ausschlaggebend waren dabei zwei Punkte, die ich euch gerne für eure eigenen Gedanken zu diesem Thema ans Herz legen möchte:

 

  1. Der Podcast von Pawsitive Life Coaching zum Thema Läufigkeit bei Hündinnen
  2. Unser Gesetz: Bei der Kastration handelt es sich folglich um die Entfernung von Organen. Dies ist gem. § 6 Abs. 1 S. 1 TierSchG bei Wirbeltieren, zu welchen auch der Hund zählt, grundsätzlich verboten.

 

Es gibt wenige Ausnahmen, die eine Kastration gesetzlich „erlauben“ aber leider sehr viele Tierärzte, die sich über das Gesetz hinwegsetzen und ohne gesetzlich zulässigen Grund Kastrationen durchführen. Die meisten Tierärzte erzählten mir in der Vergangenheit, dass eine Kastration zu Lill’s Gesunderhaltung beitragen würde, da gewisse Risiken für z.B. Gebärmutterkrebs ausgeschlossen werden könnten.

Stimmt, ohne Gebärmutter ist es nicht mehr möglich genau dort Krebs zu bekommen. Wie schlau manche Tierärzte doch sind. Warum lassen wir Frauen uns nicht auch einfach sofort die Gebärmutter entfernen, sobald wir das Thema Kinder für uns abgeschlossen haben?

Weil es ein sehr großer und mit Risiken verbundener Eingriff ist, der den kompletten Hormonhaushalt durcheinanderbringt und bei dem eingroßes Loch im Körper entsteht. 

Ergänzend gibt es mittlerweile Studien, die belegen, dass kastrierte Hunde häufiger Milzkrebs bekommen. Inkontinenz, Gewichtszunahme und stumpfes Fell sind da nur kleine „Nebenwirkungen“ einer Kastration.

Es ist also grundsätzlich erstmal gesetzlich verboten einen Hund zu kastrieren. Welche Gründe werden dann von Tierärzten für den Eingriff genannt? Ich habe mich mit dieser Frage an die AGILA Haustierversicherung gewandt und diese Antwort erhalten:

„Die häufigsten von Tierärzten angegebenen Gründe für die Notwendigkeit einer Kastration sind bei AGILA zum einen die Pyometra (Gebärmutterentzündung) bei Hündinnen, zum anderen, und das immer häufiger, wird Hypersexualität als Grund angegeben. Diese steht mittlerweile auf den meisten Kastrationsrechnungen, die wir bekommen. Wir übernehmen übrigens auch nur bei medizinischer Indikation die Kosten für eine Kastration.“

Auch der deutsche Tierschutzbund hat eine ganz klare Meinung zum Thema „Unfruchtbarmachung von Hunden“.

„Sowohl aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes als auch aus juristischer Sicht darf ein Eingriff zur Unfruchtbarmachung von Hunden hierzulande nur im Einzelfall und nur nach gründlicher Abwägung der für das Individuum resultierenden Vor- und Nachteile erfolgen. Für den Fall, dass ein Eingriff notwendig sein sollte, muss immer die tierschonendste Maßnahme ergriffen werden. Eine Frühkastration von Hunden vor Eintritt der Geschlechtsreife ist aus Tierschutzsicht grundsätzlich abzulehnen.“

 

Jetzt habe ich mich ganz leicht etwas in Rage geschrieben… Für mich ist das Thema einfach immer wieder sehr emotional und ich würde mir sehr wünschen, dass ein kastrierter Hund nicht mehr als normal, sondern Ausnahme gilt! Sicher gibt es berechtigte Gründe, bei Straßenhunden zum Beispiel, aber es gibt mehr durchgeführte Kastrationen, die nicht aus gesundheitlichen Gründen durchgeführt werden, als aus Unwissenheit, monetären Interessen des Tierarztes oder auch einfach nur Bequemlichkeit des Hundehalters.

Ich wünsche mir, dass wir beginnen umzudenken, wenn es um dieses Thema geht, denn nein, ein kastrierter Hund ist weder „normal“ noch zwingend „legal“. Ich möchte keinem Hundebesitz zu nahe treten, der seinen Hund hat kassieren lassen. Oft passiert das noch im Welpenalter und erst später macht man sich wirklich Gedanken darüber. Aber ich möchte all den Hundebesitzern, die ihren Hund nicht kastriert haben, die Zweifel nehmen, die ich immer wieder habe und gerne auch Hundebesitz zum nachdenken motivieren, die aktuell vor der Entscheidung stehen. Man muss keine Welpen wollen, um den Hund nicht zu kastrieren.

Warum ist Dein Hund nicht kastriert?!

Warum ist Dein Hund kastriert?!

 


 

 

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3 Comments

  • Reply
    Sabine Grunwald
    4. April 2019 at 10:00 am

    Wir haben vier Hunde, einen kastrierten Rüden und eine kastrierte Hündin, die schon kastriert zu uns kamen, bei der Hündin war es medizinisch notwendig, der Rüde war „Kandidat“ bei einer Kastrationsaktion in Griechenland.

    Unsere anderen beiden Hündinnen sind gerade läufig – wir haben uns bewusst gegen Kastration entschieden, weil es keine Medizinische Indikation gibt – der einzige der „leidet“ ist der Rüde, weil er von den läufigen Mädels verfolgt wird ????. Solang es keine anderen Probleme gibt, wird das auch so bleiben, gerade bei der kleineren intakten Hündinnen sehen wir noch heute mit fast 5 Jahren Entwicklungsschübe, die sie zum Erwachsenen Hind macht… wir möchten uns gar nicht vorstellen, was wir ihr mit einer (frühen) Kastration vorenthalten hätten!

  • Reply
    Nina
    4. April 2019 at 2:36 pm

    Hallo,
    wir haben unseren Rüden vor rund 4 Wochen mit einem Chip kastrieren lassen, für 1 Jahr.
    Unser Rüde ist 1 1/2, unser erster Hund und wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.
    Für uns stand von Anfang an fest, dass er nur kastriert wird, wenn es nicht anders geht. Deshalb haben wir uns jetzt auch erstmal ’nur‘ für den Chip entschieden und nicht für eine OP.
    Bei ihm war es so, dass er sehr gelitten hat, wenn läufige Hündinnen in der Nachbarschaft waren. Er saß permanent fiepend und winselnd vor Türen und Fenstern, kam im Haus kaum zur Ruhe und wenig zum schlafen. Daran weiter an einem ‚Ruhe‘-Signal zu trainieren und es zu festigen war nicht zu denken.
    Und auch draußen stand er permanent unter Strom, wir waren komplett abgemeldet, er kam aus dem Schnüffel nicht mehr raus und sobald andere Rüden in Sichtweite kamen fing er fürchterlich an zu pöbeln. Purer Stress für ihn (und auch für uns).

    Das Jahr ‚Pause‘ nutzen wir nun um weiter mit ihm zu trainieren, dass er auf Kommando ‚Pause‘ machen kann und sich entspannen kann und dass er draußen auch bei anderen Rüden nicht mehr so hoch fährt und einfach generell besser auf uns reagiert. Wir möchten einfach alles noch mehr festigen und dann schauen, wie es ‚danach‘ ohne Chip geht und dann werden wir nochmal wieder gründlich drüber nachdenken, ob und wenn ja wie wir weiter mit dem Thema Kastration umgehen.

    Was mich schon erschrocken hat war, wie leichtfertig der Tierarzt mit dem Thema Kastration umgegangen ist. Als wir hinkamen und über unsere Optionen (über die wir uns vorher schon informiert hatten) gesprochen haben, meinte der Tierarzt, ob wir ihn nicht doch lieber gleich per OP kastrieren lassen wollen, dann hätte er die Probleme sicher nicht mehr. Unser Wunsch erstmal ein Jahr zu haben um mit ihm ‚arbeiten‘ zu können und das ggf. so zu lösen stieß auf wenig Verständnis. Wir bzw. unser Hund bekam dann am Ende den Chip, aber wir wurden mit den Worten entlassen, dass wir, sollten wir uns doch noch umentscheiden, die Kastrations-OP auch jederzeit während der Chip noch wirkt machen lassen können….
    Das macht mich immernoch leicht sprachlos…

  • Reply
    Suell
    14. April 2019 at 8:21 am

    Hallo,
    Ich würde auch gerne meine Gedanken zum Thema äußern.
    Zwei Sachen vorweg.
    Ich habe einen Rüden (jetzt mit 4 Jahren gechipt). Ich möchte ganz sachlich meine Sicht darstellen, ohne einen Vorwurf zu erheben. Denn es hat jeder Hund ein Recht auf Unversehrtheit. Meiner auch.
    Mein Rüde gehört zum Glück nicht zu den Rüden die massiv leiden. Er versucht nicht das Grundstück zu verlassen, er frisst in den meisten Fällen noch nach einem Kontakt mit einer Duftspur.
    Aber die Auswirkungen einer Duftspur einer häufigen Hündin sind ganz deutlich wahrnehmbar. Und das ist mit starkem Stress für ihn verbunden. Eine Woche hält so ein Hormonausstoss dann ca. nach einmal schnüffeln.
    Dadurch ist es so das er wochenlang unter starkem Stress steht. Da ja im Frühjahr bzw Herbst nicht jede Hündin gleichzeitig läufig wird.
    Andere Rüdenhalter haben ihre Rüden kastrieren lassen. Nebenwirkung bei vielen, sie riechen wie eine läufige Hündin.
    Somit ist mein Rüde 6 von 12 Monaten starkem Stress ausgesetzt.
    Folge, er hat jetzt einen Chip bekommen. So führt die Freiheit von anderen dazu das wir keine Freiheit mehr genießen können.
    Und bitte, das soll nicht heißen das ich sagen möchte das nicht jeder dieses Recht hat.
    Ich möchte nur aufzeigen das das eigene Handeln immer Konsequenzen und Auswirkungen auf andere hat.
    Und unterm Strich wird ein Tier darunter leiden. Ist nur die Frage welches.
    Wenn die Hündinnen intakt bleiben, müssen halt mehr Rüden kastriert werden.
    LG Suell

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