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Zecken: richtig entfernen | wie Du es nicht tun solltest

Als ich ein Kind war, haben wir den Hunden Öl auf die Zecke geträufelt und diese dann mit einer Drehbewegung rausgezogen. Seit ich Lilly habe und mich mit dem Zecken-Thema etwas tiefer beschäftige, weiß ich, dass man Zecken genauso auf gar keinen Fall entfernen sollte. Da sich viele Mythen zu diesem Thema seit vielen Jahren halten, habe ich euch die Dos und Don‘ts rund um das Thema Zecken entfernen in diesem Artikel einmal zusammengefasst. Einen ausführlichen Artikel wie Du Deinen Hund mit natürlichen Mitteln gegen Zecken schützen kannst, findest Du hier.

Umso schneller die Zecke entfernt wird, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Krankheiten überträgt.

SO SOLLTEST DU EINE ZECKE NICHT ENTFERNEN

Die Zecke nicht am vollen Körper greifen, also den Zeckenkörper nicht zerquetschen! 

Weil die enthaltenen Körperflüssigkeiten inklusive aller Krankheitserreger sonst direkt in den Kopf der Zecke und dann in Deinen Hund gedrückt werden. 

Darum eignen sich auch weder normale Pinzetten noch die Fingerspitzen zum Entfernen von bereits vollgezogenen Zecken, da diese den Zeckenkörper durch ihre Form zerdrücken würden.

Die Zecke vor dem Entfernen nicht mit Öl oder anderen Flüssigkeiten (kein ätherisches, Speise- oder sonstiges Öl, kein Haarspray, kein Nagellack, Kleber oder Seife) beträufeln oder übergießen! 

Die Zecke atmet über ein Organ an ihrem Körper. Wenn man sie mit etwas beträufelt oder beschmiert, bekommt sie Atemnot und Todesangst und erbricht ihren Mageninhalt inklusive Krankheitserregern wie Borrelien in den Hund. Dadurch werden Krankheitserreger übertragen und die Gefahr einer Infektion erhöht sich.

Das gleiche gilt auch für Pfefferminzöl, dass die Zecke betäuben soll. Das ist ein Mythos, der sich tapfer hält, aber nicht der Wahrheit entspricht. 

Die Zecke beim Entfernen nicht drehen! 
Weil die Zecke sich auch nicht in den Hundekörper gedreht hat, sondern mit Ihrem Beißwerkzeug in die Haut sticht und festhakt. Durch das Drehen der Zecke lässt sich die Verbindung nur schlecht lösen, es führt aber häufig dazu, dass das Beißwerkzeug und/oder der Kopf abbricht oder -reißt und dann in der Haut stecken bleibt. Da diese kleinen Teile schwer zu entfernen sind, können hier Entzündungen entstehen.

SO ENTFERNST DU EINE ZECKE RICHTIG

Die Zecken zwischen Hundehaut und dem Zeckenkörper „greifen“ und nach oben herausziehen. 

Achte darauf, dass Du Deinem Hund dabei kein Fell herausreißt, denn das ist für ihn meistens schmerzhafter als das Zeckenentfernen selbst.

RAUSREISSEN ODER DIE ZECKE DURCH SPANNUNG ZUM LOSLASSEN ZWINGEN? 

Zecke gefühlvoll nach oben ziehen und in dieser Position „auf Spannung“ verharren. Die Zecke gibt nach ca. 30 Sekunden auf und lässt los. 

Das bedeutet aber auch, dass der Hund 30 Sekunden stillhalten muss, warum diese Technik wohl eher selten angewendet wird. Lilly hat sehr viel Geduld, wenn ich ihr eine Zecke entferne, aber die 30 Sekunden hält auch sie nicht still.

WAS IST DAS RICHTIGE WERKZEUG ZUM ENTFERNEN EINER ZECKE? 

ZECKENZANGE
Ist das beste Werkzeug, wenn die Zecke noch sehr klein ist, oder wenn doch mal ein Stückchen in der Wunde steckt, das beim Entfernen abgerissen ist. Für sehr große/volle Zecken eignen sich Zeckenzangen weniger gut, da die Gefahr besteht, dass der Körper zerdrückt wird.

ZECKENGABEL
Eine Zeckengabel ist das beste Werkzeug, wenn die Zecke bereits ein bisschen kugelig oder sogar voll und rund ist, da Du mit der Zeckengabel perfekt unter den Zeckenkörper, also zwischen Hundehaut und Zecke kommst und die Zecke damit stabil nach oben ziehen kannst. 

Beim Kauf einer Zeckengabel solltest Du darauf achten, dass der Spalt sauber verarbeitet und nach hinten sehr schmal wird, sonst rutscht Dir die Zecke durch. 

Ich empfehle eine Zeckengabel aus Edelstahl anstatt aus Plastik. Das ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch hygienischer, da Du Edelstahl besser sterilisieren kannst.

TIPP: In Lill’s Store findest Du eine Zeckenzange aus rostfreiem Edelstahl mit Doppelfunktion. An einem Ende ist eine Zeckenzange und am anderen eine Zeckengabel. So bist Du für alle Fälle gut ausgerüstet.

ZECKENKARTE
Eine Zeckenkarte funktioniert genauso wie eine Zeckengabel. Sie besteht meistens aus Plastik und hat die Form und Größe einer Kreditkarte. Sie ist praktisch um sie z.B. im Portemonnaie immer dabei zu haben, hat aber aufgrund der Fläche auch den Nachtteil, dass sich Zecken damit nicht an allen Körperstellen gut entfernen lassen.

FINGER
Ich gebe zu, ich pack die ein oder andere Zecke einfach mit den Fingernägeln an, um sie zu entfernen. Mein Ekelfaktor wird immer geringer und manchmal ist die Zeckenzange einfach nicht griffbereit oder wir sind unterwegs und es ekelt mich mehr, dass die Zecke lange auf Lilly sitzt, als sie mit den Fingern anzufassen.Das ist aber absolut keine Empfehlung, da Bakterien nicht nur in die Wunde vom Hund gelangen können, sondern auch auf Deine Haut. Eine kleine Wunde an der Nagelhaut reicht schon für das Risiko einer Übertragung. 

WAS TUN, WENN DER ZECKENKOPF STECKEN BLEIBT

Es kommt schon mal vor, dass das Beißwerkzeug, der Kopf oder ein Teil davon beim Entfernen abreist und stecken bleibt. Das ist aber nicht weiter schlimm. Die Zecke lebt nicht mehr und kann keinen weiteren Schaden mehr anrichten. Der verbleibende Fremdkörper wird vom Hundekörper wie ein Spreißel behandelt, was bedeutet er stößt ihn nach ein paar Tagen von selbst ab. Dieser Prozess ist besser, als wenn Du mit der Pinzette oder gar einer Nadel ewig in der Wunde stocherst, weil Du den kleinen Teil nicht greifen kannst. 

Tipp: In Griechenland träufelt man Olivenöl auf Spreißel in der Haut (auch bei Seeigelstacheln), da das Öl dem Körper helfen soll den Fremdkörper herauszuarbeiten. Ein Versuch ist es Wert, schaden kann Olivenöl auf der Haut auf jeden Fall nicht. 

PFLEGE DER BISSWUNDE 

Nach dem Entfernen einer Zecke, empfiehlt es sich die Bisswunde zu desinfizieren, um einer Entzündung vorzubeugen.

Entzündungen an der Bissstelle entstehen dann, wenn die Zecke nicht richtig oder nur zum Teil entfernt wurde, sie über den Speichel Krankheiterreger übertragen hat oder nach dem Entfernen der Zecke Schmutz in die Wunde kommt.

Manche Hunde reagieren mit einer kleinen Schwellung auf den Zeckenbiss, das ist aber erstmal nicht weiter schlimm, wenn die Schwellung nach 2-3 Tagen wieder zurückgeht.

Mit diesen Mittelchen kannst Du die Bisswunde nach Entfernen der Zecke behandeln und desinfizieren:

  • Medizinisches Desinfektions-Spray
  • Silber-Spray
  • Ätherische Öle wie z.B. Teebaum oder Lavendel (die beiden Öle kannst Du auch gemischt mit einer Kompresse auf die Wunde geben)

IN FOLGENDEN FÄLLEN SOLLTEST DU EINEN TIERARZT AUFSUCHEN

Wenn die Wunde sehr stark anschwillt, kreisförmig um die Bisswunde stark gerötet ist oder der Hund andere Reaktionen wie Fieber, Appetitlosigkeit oder Schlappheit zeigt, solltest Du zur Sicherheit einen Tierarzt aufsuchen.

In diesen Fällen die Zecke bitte nicht entsorgen, sondern (z.B. in einem Einmachglas mit Deckel) mit zum Tierarzt nehmen, damit dieser die Zecke im Zweifel auf Krankheitserreger wie Borreliose untersuchen lassen kann. Das vereinfacht die Diagnose und weitere Behandlung. 

Achtung: Diese Symptome können manchmal auch erst Wochen bis Monate nach dem Zeckenstich auftreten. Es kann also sinnvoll sein, sich im Kalender zu notieren, wenn Dein Liebling eine Zecke hatte.

DIE ZECKE RICHTIG ENTSORGEN

Zecken sind sehr robust und würden einen Waschgang bei 40 Grad überleben, es ist also auch sehr wahrscheinlich, dass sie überlebt, wenn man sie in die Toilette wirft. Um die Zecke zu töten kannst Du sie in ein Taschentuch oder Altpapier einwickeln und zerdrücken. Ohne Schutz durch Papier oder Taschentuch kann es passieren, dass die Körperflüssigkeitender Zecke in alle Richtungen spritzen. Du kannst sie auf einem feuersicheren Untergrund verbrennen oder in Desinfektionsmittel, Chlorreiniger oder hochprozentigen Alkohol (>40%) legen. Die tote Zecke dann in den Restmüll werfen. Im Kompost hat sie nichts verloren, da sie dort Krankheitserreger verteilen kann.


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