Gesundheit & Pflege

Welche Impfungen braucht mein Hund wirklich? (Und welche besser nicht) 2/2

Nachdem ich im ersten Teil auf die Risiken einer Impfung und die empfohlenen Pflichtimpfungen eingegangen bin, möchte ich in diesem Artikel auf die Wahlimpfungen eingehen. Das sind Impfungen, die nur unter bestimmten Bedingungen empfohlen werden und daher nicht ohne vorliegenden Grund geimpft werden sollten.

 

Teil 2: Wahlimpfstoffe (Non-Core-Vakzinen) 

 

Zwingerhusten (Bordetella bronchiseptica | Canis Parainfluenzavirus)

Der Zwingerhusten ist ein starker Husten, wie wir ihn selbst vom Keuchhusten kennen. Wie bei Menschen auch, besteht in schweren Fällen die Gefahr einer Lungenentzündung. Lilly hatte mit 2 Jahren bereits einmal den Zwingerhusten. Nicht schön, aber heilbar und vor allem nicht lebensgefährlich. Besonders gefährdet sind Hunde in Tierheimen, oder anderswo, wo viele Hunde zusammenleben.

Es gibt einen viralen Erreger, welchem durch den Impfstoff gegen Hepatitis vorgebeugt werden kann und einen bakteriellen Erreger, welcher bei gefährdeten Hunden durch einen Impfstoff, der in die Nase geträufelt wird, gemildert werden kann. Ganz verhindern kann eine Impfung die Erkrankung oft nicht. Es gibt also auch geimpfte Hunde (wie Lilly), die den Zwingerhusten bekommen.

Nach den deutschen Impfempfehlungen für die Kleintierpraxis gehört die Impfung gegen die Zwingerhusten nicht zu den Pflichtimpfungen (Non Core-Impfung) und wird ab der 8. Lebenswoche empfohlen, jedoch nur für Hunde, die häufig mit anderen Hunden zusammentreffen oder z.B. in einem Tierheim leben, bzw. vor einem Aufenthalt in einer Hundepension o.Ä..

  • MDS Tiergesundheit empfiehlt eine jährliche Auffrischung, für Hunde die aufgrund ihrer Haltungs- und Nutzungsbedingungen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. 14)
  • Der bdt Tierarztverband empfiehlt eine jährliche Auffrischung für Hunde, die einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind und weist darauf hin, dass die nachgewiesene Wirksamkeit dieser Impfstoffe lediglich in einer Reduktion der klinischen Symptomatik besteht. 2)
  • Der Impfstoffhersteller Nobivac® selbst, empfiehlt ebenfalls eine jährliche Auffrischung.

Zusammenfassend sind sich hier also alle einig, dass ein normal gehaltener Hund keine Impfung gegen Zwingerhusten benötigt.

Aufgrund Lill’s Historie kann ich die erste Impfung gegen Zwingerhusten nachvollziehen. Alle weiteren nicht. Und wie gesagt, Lilly hatte den Zwingerhusten am Ende trotzdem.

Nach einem Blick in Lill’s Impfpass, bin ich schockiert, wie oft Lilly gegen Zwingerhusten geimpft wurde:

Am 13.09.2014 (Kombi-Impfstoff NOVIAC DhPPI), 10.10.2014, 01.11.2014 (Kombi-Impfstoff ZOETIS Vanguard DA2Pi) am 25.11.2014 (Impfstoff Bb/Pi2 Pneumodog), am 26.01.2016 (Kombi-Impfstoff ZOETIS Vanguard DA2Pi), 15.02.2016 (Impfstoff Nobivac KC), am 13.09.2018 (Kombi-Impfstoff Nobivac SHPPI) und am 01.10.2018 (Impfstoff Nobivac Pi).

Für mich steht fest, dass Lilly nicht mehr gegen Zwingerhusten geimpft wird. Die Impfung ähnelt einer Grippe Impfung für Menschen, die das Immunsystem belastet und keinen 100%tigen Schutz mit sich bringt. In Tierheimen kann ich die Impfung noch am ehesten nachvollziehen.

 

Leishmaniose

Leishmaniose ist eine Infektionserkrankung, welche durch Sandmücken übertragen wird. Sehr stark verbreitet ist die Krankheit in den Tropen, Peru, Kolumbien, im östlichen Afrika, Asien und im Mittelmeerraum. Es wird dem Klimawandel zugeschrieben, dass seit den 80er Jahren auch immer wieder Fälle von Erkrankungen in Deutschland vorkommen, bei Hunden, die sich in keinem der genannten Gebiete aufgehalten haben.

Mit dieser Krankheit ist nicht zu spaßen, da sie in verschiedenen Formen auftritt (äußerlich auf der Haut oder Innerlich), dadurch schwer zu diagnostizieren ist und bei Befall der inneren Organe nur mit der lebenslangen Einnahme von Tabletten therapiert werden kann, um den Ausbruch zu unterbinden. Je nach Organbeteiligung kann die Infektion zu Entzündung der Blutgefäße, Leber, Darm, Knochenmark, Gelenken, Nerven und den Muskeln führen, wie auch zu einem Nierenversagen.

Die Lebenserwartung von Hunden mit Leishmaniose nach dem Ausbruch beträgt 2-3 Jahre, wird der Ausbruch mit Tabletten unterbunden, liegt die Lebenserwartung mit 6-7 Jahren höher. Ein äußerlicher Befall hingegen, kann mit Cremes sehr häufig erfolgreich therapiert werden.

Das Krankheitsbild ist sehr komplex und vielseitig, ich möchte darum hier nicht im Detail das komplette Krankheitsbild beschreiben. Wenn Du mehr darüber lesen möchtest, findest Du online zahlreiche Berichte über Symptome und Therapien.

Der Hund meines Vaters, ein Straßenhund aus Ibiza, war an Leishmaniose erkrankt. Er wurde 9 Jahre, und bekam sein Leben lang Tabletten und spezielles Futter (purinarm).

  • Eine Impfung kann nicht zu 100% schützen und vermindert lediglich die Schwere der Erkrankung. Geimpft werden kann ab 6 Monaten. Die Wirkstoffdauer ist lt. Impfhersteller wie „Letifend“ auf 1 Jahr beschränkt. 18)

Wer sich mit seinem Hund in einem gefährdeten Gebiet aufhält, sollte, mit oder ohne Impfung, zusätzliche Prophylaxe-Maßnahmen gegen Sandmücken ergreifen. Ähnlich wie bei Stechmücken und Zecken, gibt es aber auch hier keinen 100%tigen Schutz.

Ich bin erstaunt, dass mir ein Blick in Lill’s Impfpass verrät, dass sie noch nie gegen Leishmaniose geimpft wurde, obwohl sie mit 3 Monaten nach Griechenland kam und mit mir dort mehrere Jahre direkt am Strand gelebt hat.

  • Derbdt Tierarztverband empfiehlt den Impfschutz für Hunde, die in gefährdeten Regionen leben oder sich dort zeitweise aufhalten. Sie gehört darum auch zu den empfohlenen Reiseimpfungen. 17)
  • In den Impfempfehlungen MSD-Tiergesundheit wird Leishmaniose nicht erwähnt.

Rückblickend, würde ich Lilly heute wohl impfen lassen, da wir in Griechenland in einem gefährdeten Gebiet gelebt haben. Hier in Deutschland halte ich die Impfung für nicht notwendig, zumal diese auch keinen sicheren Schutz bietet. Bei einem kurzen Aufenthalt in einem gefährdeten Gebiet wie Griechenland, würde ich jedoch eher auf natürliche Prophylaxe-Maßnahmen zurückgreifen.

Ich bekomme immer wieder Nachrichten, wie ich Lilly in Griechenland vor den vielen Zecken, Stechmücken und Sandmücken geschützt habe. Nachrichten von Menschen, die in Erwähnung ziehen, ihren Hund aufgrund der Krankheiten gar nicht mitzunehmen. Dazu kann ich immer nur das gleiche antworten, dass die Gefahr vor Ort kaum bis gar nicht kommuniziert wurde, auch nicht von Tierärzten und ich mir erst hab begonnen Sorgen zu machen, als wir zurück in Deutschland waren und ich von allen Seiten auf die Gefahr hingewiesen wurde. Lilly hatte in Griechenland nicht eine Zecke. Die erste biss sich in Deutschland fest. Obwohl die Krankheit sehr ernst zu nehmen ist, habe ich den Eindruck, dass die Gefahr hier in Deutschland größer gemacht wird, als sie vor Ort wahrgenommen wird.

 

Lyme-Borreliose

Die so genannte Zeckenimpfung schützt Hunde vor der bakteriellen Borreliose, nicht vor der Viruserkrankung FSME. Für Menschen ist es umgekehrt. Die Impfung für Hunde wirkt jedoch nur gegen bestimmte Borrelien, die bei uns in Deutschland sehr selten vorkommen. Der Ganzkeimimpfstoff ist sehr nebenwirkungsträchtig. Er steht im Verdacht chronische Arthritis auszulösen. Weniger als 5% der durch Zecken infizierten Hunde erkranken.

  • Die Ständige Impfkommission für Veterinärmedizin (StIKo Vet) 19) rät zur Borreliose-Impfung, wenn der Hund im Freien aktiv ist und ein Zeckenstichrisiko besteht.
  • Dr. med Jutta Ziegler rät von der Impfung ab, da sie schwere Nebenwirkungen mit sich bringen kann und nur gegen einen kleinen Teil der von Zecken übertragenen Borrelien schützt. 11)

Die Erstimpfung erfolgt ab einem Alter von 12 Wochen, die zweite Impfung 3–5 Wochen später, die dritte Impfung wird 6 Monate nach Beginn der Grundimmunisierung gegeben, und die vierte Impfung 1 Jahr nach Beginn der Grundimmunisierung. Wiederholungsimpfungen erfolgen jährlich vor dem Höhepunkt der Zeckenaktivität im März/April. 19)

Lilly wurde noch nie gegen Borreliose geimpft. Ich schütze sie mit natürlichen Mitteln vor Zecken, was aber auch kein 100%tiger Schutz ist. Lilly hat immer wieder mal Zecken, was mich aber aufgrund des geringen Schutzes durch die Impfung nicht dazu bewegt, sie impfen zu lassen.

 

Canines Herpesvirus (CHV-1)

Diese Impfung ist lediglich für Züchter relevant, denn das Virus kann bei trächtigen Hündinnen zu Fehlgeburten, Totgeburten und Welpensterben führen. Die Erkrankungsrate in Hundezuchten liegt lt. dem bdt Tierschutzervand bei 20-30% 17)

Weißt eine Hündin natürliche Antikörper auf, besteht ein natürlicher Schutz und damit kein Risiko. Die Impfung muss also entsprechend nur dann gemacht werden, wenn eine Hündin, die Junge erwartet keine Antikörper aufweist. Ob eine Hündin Antikörper aufweist, kann getestet werden und erspart ihr die Belastung durch die Impfung.

 

Dermatophytosen, Mikrosporie, Trichophytie

Das sind fadenförmige Pilze, die Keratin als Kohlenstoffquelle nutzen. Bei einigen dieser Pilze handelt es sich um echte Parasiten.

Bei der Impfung handelt es sich um die Vorbeugung und Behandlung gegen Pilzbefall auf der Haut. Ein Pilzbefall der Haut bringt meist eine sehr langwierige Behandlung mit sich, stellt aber keine lebensbedrohliche Krankheit dar. Symptome sind Haarbruch, Haarausfall, Schuppen die zu Juckreiz und dann zu Verkrustungen führen können. Ein Pilz kann von Hund zu Hund, aber auch auf den Menschen übertragen werden. Viele Hunde sind Träger, obwohl es zu keinem Ausbruch kommt.

Die Impfung stellt keinen Schutz dar, sondern verspricht lediglich eine Reduktion der Symptome.

Lilly wurde dagegen noch nie geimpft und ich halte diese Impfung, welche lediglich die Symptome abschwächt, auch nicht für notwendig.

 


Mein Fazit zu den empfohlenen Non-Core-Impfungen

Hinweis: Das Fazit stellt meine persönliche Meinung dar und ist keine allgemeine Handlungsempfehlung!  

 

Zwingerhusten
Kein 100%-tiger Schutz, Krankheitsverlauf nur bei sehr geschwächten Tieren gefährlich. Lilly hatte den Zwingerhusten trotz Impfung bereits. Ich werde sie nicht mehr dagegen impfen lassen und würde es Rückblickend gar nicht mehr tun.

Leishmaniose
Die Impfung halte ich für sinnvoll, wenn der Hund in einem gefährdeten Gebiet lebt, da die Krankheit sehr ernst ist und das Leben dauerhaft beinträchtigen, wie auch verkürzen kann. Für in Deutschland lebende Hunde, halte ich die Impfung für nicht notwendig.Bei einem kürzeren Aufenthalt in einem gefährdeten Gebiet, würde ich auf natürliche Prophylaxe gegen Sandmücken setzen, da die Impfung das Immunsystem schwächt und keinen 100%tigen Schutz bietet.

Lyme-Borreliose
Lilly wird mit natürlichen Mitteln gegen Zecken geschützt, was aber auch kein 100%tiger Schutz ist. Lilly hat immer wieder mal Zecken, was mich aber aufgrund des geringen Schutzes durch die Impfung nicht dazu bewegt, sie impfen zu lassen.

Canines Herpesvirus (CHV-1)
ist nur für Hündinnen relevant, die Junge erwarten UND keine Antikörper aufweisen.

Dermatophytosen, Mikrosporie, Trichophytie
Der Sinn dieser Impfung entzieht sich mir komplett. Kein Schutz, nur eine Milderung derSymptome und der Krankheitsverlauf ist nicht tödlich.

 

Kennt ihr noch Impfungen, auf die ich nicht eingegangen bin und die ihr für wichtig oder auch unwichtig haltet? Scheibt diese gerne in die Kommentare!


 

Hier kannst Du den ersten Teil über die Core-Impfungen lesen:

 

 


 

 

Quellen:

2) https://m.tieraerzteverband.de/bpt/berufspolitik/Impfkommission/stiko-vet_empfehlungen-mitteilungen.php?redirectResize=1

14) http://www.impfung-hund.de/infektionskrankheiten/zwingerhusten.asp

11) Buch Dr. vet. Med. Jutta Ziegler „Hunde würden länger leben wenn…“

17)https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00020078/Impfleitlinie-Kleintiere_2019-02-01.pdf

18) https://www.msd-tiergesundheit.de/products/letifend/letifend.aspx

19) https://stiko-vet.fli.de/de/empfehlungen/

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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